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Wir wollen diese besondere Lebensform erhalten

Diakonisches Werk für Frankfurt und Offenbach setzt sich für Bestand der Wohngemeinschaft Bonameser Straße ein!

Im Konflikt um die Zukunft der Wohngemeinschaft Bonameser Straße positioniert sich das Diakonische Werk für Frankfurt und Offenbach klar an der Seite der Bewohner*innen. „Wir befürworten einen Dialog zwischen den Bewohner*innen und der Stadt Frankfurt an einem Runden Tisch“, sagt Diakonieleiter Dr. Michael Frase. Integrationsdezernentin Sylvia Weber (SPD) lässt den Runden Tisch gerade vorbereiten. „Wir freuen uns über diesen Prozess und gehen davon aus, dass der Runde Tisch im Frühsommer 2021 zusammentritt“, sagt Michael Frase. Der Ortsbeirat 9 hatte den Runden Tisch bereits im Sommer 2019 mit einem interfraktionellen Antrag gefordert.

Erforderlich ist der Dialog wegen eines Konfliktes. Der Magistrat der Stadt Frankfurt lehnte im November 2019 nicht nur den Runden Tisch ab, er möchte auch keine weiteren Nutzungsverträge für Standorte auf dem Platz nahe der A 661 abschließen. Bewohner*innen hingegen fordern, Nutzungsverträge innerhalb der dort lebenden Familien weitergeben zu können. Auch hier bezieht die Diakonie, die sich seit Jahrzehnten mit Gemeinwesenarbeit für die Bewohner*innen engagiert, klar Stellung: „Wir unterstützen das Bleiberecht auf bestehenden Parzellen, ein Generationenwechsel muss ermöglicht werden“, sagt Michael Frase. Eine Ausweitung des Status Quo lehnt der Diakonieleiter hingegen ab.

Seit 1953 leben Artisten und Schrotthändler, Schausteller und Puppenspieler auf dem in Eschersheim gelegenen Platz. Erst im Sommer 2020 erhielten sie endlich ein Straßenschild. Ursprünglich waren „Reisende“ oder „Fahrende“, also Menschen, die ein ambulantes Gewerbe betreiben, im ganzen Frankfurter Stadtgebiet vertreten. Vornehmlich im Ostend und im Gallus standen sie nach Ende des Zweiten Weltkrieges mit ihren Wohnwagen. Viele von ihnen waren während der Zeit der NS-Diktatur verfolgt worden. Als der Magistrat der Stadt Frankfurt am Main ihnen den heutigen Standort zuwies, gab es dort nur eine Wasserpumpe sowohl der Stromanschluss als auch der Anschluss an die Kanalisation fehlte.

Zeitweise lebten bis zu 1000 Menschen an diesem Ort. Dass er überhaupt noch besteht, ist bundesweit einmalig. Dr. Sonja Keil, vom Diakonischen Werk für Frankfurt und Offenbach mit der Gemeinwesenarbeit auf dem Platz betraut, hat die Geschichte der Bewohner*innen aufgeschrieben und sich wissenschaftlich mit der besonderen Lebensform der „Reisenden“ befasst. Sie steht in der Tradition der Evangelischen Kirche, die sich von Anfang an für Verbesserungen für die Bewohner*innen eingesetzt hat. Unter ihnen auch Martin Niemöller, der damalige Kirchenpräsident der Evangelischen Kirche in Hessen und Nassau.

„In dieser Tradition stehen wir auch heute“, sagt Diakonieleiter Michael Frase. Er erinnert daran, dass den Menschen aus der Wohngemeinschaft Bonameser Straße, die mit ihrem Familienzirkus das Publikum unterhalten, auf Volksfesten Zuckerwatte drehen und Mandeln rösten, während der Corona-Pandemie die Verdienstmöglichkeiten weggebrochen sind. Auch nach der Verfolgung während der NS-Diktatur haben die Bewohner*innen, die beispielsweise Schrott und Alteisen recyceln, als Schausteller und Zirkusartisten arbeiten, wegen ihrer Lebensweise mit Vorurteilen zu kämpfen. „Es ist uns ein Anliegen, diese besondere Lebensform in Frankfurt zu erhalten“, sagt Michael Frase, „und den Bewohner*innen, die jetzt auf dem Platz leben, eine gesicherte Lebensperspektive in der Wohngemeinschaft Bonameser Straße zu eröffnen.“

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