image ©Daniela Glaeser

Jede entwickelte ein Gefühl – am Ende war es ein Bild

Bewohnerinnen von „Lilith-Wohnen für Frauen“ fertigen Collagen!

Voller Lust ins kalte Wasser springen, mit dem Liebsten tanzen, den Mut des Löwen spüren – alles Bilder, die für sich sprechen und durch die Aussage „Ich möchte einmal mit einem Löwen kuscheln“ noch verstärkt werden. Dies ist eine von vielen Collagen, die Bewohnerinnen von „Lilith – Wohnen für Frauen“ in den vergangenen Wochen im Zentrum für Frauen der Diakonie geschaffen haben. Daniela Glaeser hat sie angeleitet. Die Kunsttherapeutin sattelt gerade ein Studium „Soziale Arbeit mit Schwerpunkt Kultur und Medien“ drauf. Im Juli startete sie die „Collagen-Treffs“ als Studienprojekt der University of Applied Sciences mit ihren Mitstudentinnen Manolya Zehir und Yasemin Türkmen.

Vernisage Mitte Oktober im Zentrum Frauen
Jetzt, gegen Ende des Projektes, ist es kühler geworden, Kastanien liegen im Garten des Zentrums für Frauen in der Nähe des Frankfurter Zoos. Mitte Oktober werden die Collagen mit einer Vernissage im Haus ausgestellt. Regina P. zieht sich einen Stuhl ran, gleich beginnt die letzte Kursstunde. Anfangs war sie noch ein bisschen abwartend, „jetzt habe ich ein Gefühl dafür“, sagt sie. Und: „Aus einem Stück Zeitungspapier haben wir viel gemacht.“

Kreative Werke thematisieren Visionen, Glück, Mut
Auf einem der Tische im 17-Ost Tagestreff für Frauen stapeln sich Illustrierte. Stolz zeigt Kursleiterin Daniela Glaeser laminierte Werke der Teilnehmerinnen: „Wir fingen mit kleinen Formaten zum Thema ‚Was ich mag‘ an, eine Frau zeigt zum Beispiel ein tanzendes Paar.“  Es folgten Arbeiten zu „was bedeutet Glück“, „Mut“ und als Abschluss eine „Visions-Collage“, die Formate wurden immer größer.

Regine P. zeigt eine Collage, die sie auf eine Leinwand gezogen hat. Mit dem Schraubenzieher hat sie sie durchlöchert, eine LED-Kette durchgezogen, und nun leuchten kleine Lichter zwischen der aufgeklebten Skyline, dem rotem Ballon und mit Deckweiß aufgemalten Wolken.

Kunstprojekt bringt Abwechslung in die Corona-Zeit
Sechs der 30 Bewohnerinnen von „Lilith-Wohnen für Frauen“ beteiligten sich an dem Kunstprojekt, vier bis fünf kamen zu fast allen zwölf Treffen. „Es war super, eine Abwechslung in der Corona-Zeit ,wir durften ja keinen Besuch empfangen und uns auch untereinander nicht besuchen. Bei den Treffen konnten wir mal so richtig abschalten, wir waren alle motiviert“, sagt Regina P.  Sie zieht an ihrer Zigarette: „Beim Abend zum Thema „Glück“ zum Beispiel entwickelte jede ein Gefühl, und am Ende war es ein Bild.“

Harte Zeiten bis es Klick machte
Die Bewohnerinnen von „Lilith-Wohnen für Frauen“ waren vor dem Einzug wohnungslos, manche lebten auf der Straße. So wie Regine P.: „Ich hab von Luft und Liebe gelebt“, sagt sie „mal hier, mal da bei Freunden übernachtet, auch im Freien.“ Während dieser Zeit verlor sie ihren Personalausweis, die Krankenversicherung lief aus, die Jobs wurden immer weniger, „das war eine harte Zeit“, sagt sie heute. Eine Folge der RTL-II-Doku-Soap „Hartz und herzlich“ brachte sie in ein anderes Fahrwasser: „Das war so abschreckend, so wollte ich nicht enden, da hat es Klick gemacht.“

Neue Ziele im Blick
Regine P. sprach mit einer Freundin, die einen Sozialarbeiter kennt, suchte im Internet nach passenden Einrichtungen, schrieb hin, landete zunächst in einem Clearing-Notbett bei „Hannah-Wohnen für Frauen“ der Diakonie und wurde von dort zu „Lilith“ vermittelt. Jetzt hat sie ihr erstes Ziel, wieder in ein eigenes Zimmer zu ziehen, erreicht. Nun holt sie den Hauptschulabschluss nach, beantragte mit Unterstützung einer Sozialarbeiterin die fehlenden Papiere und vieles mehr. Regine P. ist froh, dass sie weg von der Straße ist: „Wenn man einmal drinsteckt, ist es schwer, wieder rauszukommen.“

Etwas für sich tun, was gut tut
Auf ihrer großen Collage mit der Welt-Eule in der Mitte steht: „Das Vertrauen in unsere eigene Kraft schenkt uns innere Freiheit.“ Regine P. grinst: „Ich mag halt gerne Sprüche.“ Die Collagen-Treffen mit viel Spaß, Austausch und leckeren Snacks haben ihr und den anderen Frauen gutgetan: „Ich hab was gemacht, was ich für mich als gut empfunden habe.“

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