image Foto: Christoph Boeckheler

Ich lerne Deutsch, drei Stunden am Tag

Cristina C. ist nach sieben Jahren Obdachlosigkeit in eine feste Unterkunft gezogen

Cristina C. kommt die Treppe herunter, schließt die Haustür auf und wirft einen kurzen Blick nach draußen. Seit dem vergangenen Winter hat sie eine feste Bleibe mitten im Bahnhofsviertel. Sie kommt gut aus mit den Menschen, die hier auf der Straße liegen und lagern, wenn sie morgens um vier Uhr zur Arbeit geht und später wieder zurückkommt. „Ich habe kein Problem mit den Leuten, sie sind sehr ruhig, sie leben in ihrer Welt und mischen sich nicht ein.“  Vor wenigen Monaten noch wohnte C. zusammen mit ihrem Lebensgefährten illegal in einer Gartenhütte. Hier, im Bahnhofsviertel, ist es ihr erstes festes Zuhause nach sieben Jahren auf der Straße.

Sich ausruhen, die Heizung anmachen
Cristina C. ist glücklich, denn hier, in dem Zimmer mit Bad und Küchennische, kann sie bleiben, sich ausruhen, die Heizung aufdrehen. Die Gartenhütte, erzählt sie, gibt es nicht mehr, Leute kamen, denen der Garten gehört und haben sie abgerissen. Nicht nur eine Wohnung, auch einen Job fand die 48-Jährige mit Unterstützung der Diakonie Frankfurt und Offenbach.

Arbeit bei einer Putzfirma
Bei der Putzfirma geht es morgens um fünf Uhr los. Dreieinhalb Stunden am Tag reinigt C. Räume und Flure, bevor die Student:innen in den Hörsälen Platz nehmen. Mit ihrem Teamkollegen versteht sie sich super, sagt Sozialberater Qutaiba Al Jendi vom WESER5 Diakoniezentrum. Er übersetzt Wort für Wort aus dem Rumänischen. Cristina C. steht früh morgens auf, gegen drei Uhr, so wie damals in der Gartenhütte. Nur jetzt hat sie eine kleine Küchenzeile, auf der sie ihren Kaffee aufsetzt. Keine Gasflaschen mehr und keine Planen, die manchmal den Regen durchlassen, kein Wind mehr, der zwischen Bretter und Planen fährt. Das Wasser muss sie jetzt auch nicht mehr mühsam Liter für Liter am Friedhofsbrunnen holen oder im Winter im Supermarkt kaufen. Jetzt geht sie frühmorgens unter die Dusche, dreht die Heizung auf und trinkt Kaffee, anstatt stundenlang mit dem Trolley draußen in der Kälte Pfandflaschen zu suchen.

Hilfe im WESER5 Diakoniezentrum
Cristina C. hat es geschafft, sich von einem jahrelangen Leben ohne Obdach zu befreien. Mehrmals in der Woche kommt sie noch ins WESER5 Diakoniezentrum. Nach und nach gelang es ihr dort, ihre Angelegenheiten zu regeln, beispielsweise die fehlenden Ausweispapiere zu besorgen. Ihren Weg in eine Unterkunft und in einen Teilzeitjob begleitete Sozialberater Qutaiba Al Jendi.

Medikamente auf der Fensterbank
Das Zimmer, in dem die aus Rumänien stammende Frau und ihr Lebensgefährte untergebracht sind, ist einfach, bietet aber, was sie brauchen: Zwei Betten, eine kleine Küchenzeile, Tisch, zwei Stühle, einen Schrank und ein Bord mit Fernseher. Unter den Betten stehen die Schuhe aufgereiht, Medikamente liegen auf Fensterbank und Nachttischen, zeugen davon, dass das jahrelange Leben, erst unter der Brücke dann in der zugigen feuchten Gartenhütte, tiefe Spuren im Körper hinterlassen hat.

Besser Deutsch lernen als nächstes Ziel
Einmal blitzen Cristina C.s Augen auf und sie lächelt: „Ich lerne Deutsch, drei Stunden am Tag in der Volkshochschule.“ Schon jetzt erlebt sie beim Einkaufen, dass die Leute freundlicher zu ihr sind. Wenn sie mehr Deutsch spricht, wird das noch besser werden.

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