image ©Yasuaki Kitagawa

„Sail to a new future – TOGETHER“

Yasuaki Kitagawa zeigt eine neue Großinstallation aus Erde in der Weißfrauen Diakoniekirche

Vor der Weißfrauen Diakoniekirche lagern Säcke voller Erde, Lignin und Lehm. Drinnen duftet es nach geröstetem Malz. „Das ist das Lignin“, erklärt Yasuaki Kitagawa. Ein zimtfarbener feiner Puder im Papiersack lädt dazu ein, hineinzugreifen und zu schnuppern. Lignin, ein Abfallprodukt aus der Papierproduktion, ist ein ressourcenschonendes Material, ebenso wie die meisten anderen Baustoffe der Installation, die der Künstler dort gerade errichtet: „Seit der Corona-Pandemie versuche ich, möglichst nur nachhaltige Materialien zu verwenden.“ Aus Erde, Lignin, Lehm, Wasser und Stahl formt der bildende Künstler in der Weißfrauen Diakoniekirche derzeit ein riesiges Boot. Mit der neuen Installation nimmt er den Zustand der „Mutter Erde“ in den Blick: „Wir müssen jetzt etwas Neues anfangen angesichts des Zustandes unseres Planeten, es ist die letzte Chance, die wir haben. Wenn wir jetzt nichts anfangen, damit unsere Kinder eine eigene Zukunft haben, geht es weiter schief, am Ende ist nichts mehr zu retten von der Erde und der Zukunft der Menschheit.“

Ein Boot aus einem Märchen
Der in Tokio geborene, seit mehr als 15 Jahren in Frankfurt am Main lebende Künstler formt aus den Naturmaterialien kleine Bälle, die er von Hand aneinanderpresst, um die Bordwände hochzuziehen: „Ich habe diese Art zu bauen in Nepal und in Tibet gesehen, aus getrocknetem Dung entstehen dort Häuser.“ Zwei Tonnen wird das Boot wiegen, wenn es fertig ist, schätzt Kitagawa. Auch wenn er für eine andere Ausstellung bereits ein vier Meter messendes Boot aus Erde und Lehm schuf, sagt er: „Das ist eine neue Dimension für mich, es ist eine Herausforderung.“ Seine Idee, ein Boot aus Erde zu bauen, geht ursprünglich auf ein japanisches Märchen zurück.

Das Erdschiff als einziger gemeinsamer Grund
Die Ursprungsidee entwickelte Yasuaki Kitagawa weiter zu seiner neuen Installation „Sail to a new future – TOGETHER“: „Dieses Schiff, ein Erdschiff in der Kirche, wollte ich als Metapher für unseren einzigen gemeinsamen Grund zeigen, jeder ist verantwortlich dafür.“ Yasuaki Kitagawa empfindet sein großes Schiff im Raum der riesigen Diakoniekirche kompakter als gedacht: „Man spürt in dieser Räumlichkeit sich selbst und das Objekt, es wirkt zusammen mit dem Menschen.“ Und es wirkt aus sich heraus: In der fruchtbaren schwarzen Erde keimen jetzt schon, knapp drei Wochen nach Beginn der Arbeiten an der Installation, kleine grüne Samen, Yasuaki Kitagawa zeigt sie lächelnd.

Vernissage mit Klaviermusik
Die neue Arbeit des Künstlers, der kontinuierlich mit Einzel- und Gruppenausstellungen in Frankfurt und Umgebung präsent ist und 2017 in der Weißfrauen Diakoniekirche seine Installation „Sumpfland“ zeigte, wird am Donnerstag, 8. September 2022, um 18 Uhr eröffnet. Es sprechen Stephan Graf von der Schulenburg, Kurator des Museums Angewandte Kunst Frankfurt und Thomas Kober, Kurator der Weißfrauen Diakoniekirche der Diakonie Frankfurt und Offenbach. Britta Elschner spielt Piano.
Die Ausstellung wird unterstützt von der Evangelischen Zukunftsstiftung Frankfurt und Offenbach, dem Hessischen Ministerium für Wissenschaft und Kunst, dem Kulturamt der Stadt Frankfurt am Main sowie der Adolf und Luisa Haeuser-Stiftung für Kunst- und Kulturpflege.

Beim Saisonstart der Frankfurter Galerien ist die Ausstellung „Sail to a new future – TOGETHER“ am Freitag, 9. September von 12-21 Uhr sowie am Samstag, 10. September und Sonntag, 11. September jeweils von 11-18 Uhr zu sehen. Sie ist zudem Teil des geführten Art Walk „Bahnhofsviertel 2: Offspaces“, Treffpunkt Samstag, 10. September und Sonntag, 11. September, jeweils um 16 Uhr bei Basis e.V., Gutleutstraße 8-12, die Führung kostet zehn Euro, Tickets unter www.frankfurtexperience.art/walks.

 

Öffnungszeiten
der Ausstellung bis zum Samstag, 12. November 2022:
Dienstags bis samstags von 12-16 Uhr, Weißfrauen Diakoniekirche, Weserstraße 5 / Ecke Gutleutstraße.