image Foto: Rolf Oeser

Die Stadtteilflüsterinnen der Diakonie Frankfurt und Offenbach mit ihrer Projektkoordinatorin in Preungesheim.

Stadtteilflüsterinnen gewinnen Deutschen Nachbarschaftspreis 2026

Das Frankfurter Programm Stadtteilflüsterinnen ist hessisches Siegerprojekt des Deutschen Nachbarschaftspreises 2026. Aus einer Idee des Quartiersmanagements im Stadtteil Preungesheim ist ein Projekt geworden, das Frauen im Quartier miteinander verbindet, sensible Anliegen sichtbar macht und Bewohnerinnen ermutigt, ihre Nachbarschaft selbst mitzugestalten.

Eine gute Nachbarschaft beginnt oft mit einem Gespräch. Auf dem Markt, vor dem Supermarkt, auf dem Spielplatz oder einfach unterwegs im Stadtteil. Genau dort sind die Stadtteilflüsterinnen unterwegs. Sie sprechen ihre Nachbarinnen an, hören zu, informieren über Angebote und vermitteln Kontakte – persönlich, unkompliziert und in verschiedenen Sprachen.

Für dieses Engagement sind die Stadtteilflüsterinnen jetzt mit dem Deutschen Nachbarschaftspreis ausgezeichnet worden. Damit gehört das Projekt zu den 16 Landessiegerprojekten des bundesweiten Wettbewerbs. Die Auszeichnung ist mit einem Preisgeld von 2.000 Euro verbunden. Der Deutsche Nachbarschaftspreis würdigt mit der Auszeichnung Projekte, die sich für lebendige Nachbarschaften einsetzen und das Miteinander vor Ort stärken.

Aus einer Idee wird ein Erfolgsmodell
Entwickelt wurde das Projekt im Quartiersmanagement Preungesheim der Diakonie Frankfurt und Offenbach. Die Idee: Frauen aus dem Stadtteil sollten andere Frauen und Familien direkt erreichen – dort, wo sie leben und unterwegs sind. Die Commerzbank-Stiftung fand den Ansatz überzeugend und war von Beginn an bereit, das Projekt finanziell zu unterstützen.

So konnten die ersten Stadtteilflüsterinnen gewonnen und qualifiziert werden. Sie sind selbst im Stadtteil verwurzelt, sprechen unterschiedliche Sprachen und kennen die Lebensrealitäten der Menschen vor Ort. Dadurch entstehen Zugänge, die über klassische Informations- und Beratungsangebote häufig nicht möglich sind.

„Als wir die Stadtteilflüsterinnen entwickelt haben, war uns wichtig, Menschen dort zu erreichen, wo sie leben – und über Frauen, denen sie vertrauen“, sagt Andrea Munzert, die das Projekt im Quartiersmanagement mit auf den Weg gebracht hat. „Dass sich daraus ein so nachhaltiges Projekt entwickelt hat und die Stadtteilflüsterinnen nun den Deutschen Nachbarschaftspreis für Hessen gewinnen, freut mich ganz besonders. Die Auszeichnung zeigt, wie viel entstehen kann, wenn Menschen im Stadtteil selbst zu aktiven Gestalterinnen werden.“

Zuhören, vermitteln – und auch schwierige Themen ansprechen
Die Stadtteilflüsterinnen informieren über Angebote im Stadtteil, stellen Kontakte her und begleiten Frauen bei Bedarf auch zu Terminen. Gleichzeitig sind sie wichtige Ansprechpartnerinnen für Anliegen, die Menschen nicht ohne Weiteres in einer Beratungsstelle ansprechen würden.

Dabei werden auch sensible Bedarfe an die Stadtteilflüsterinnen herangetragen – beispielsweise Erfahrungen mit Gewalt gegen Frauen. Gerade weil die Kontakte im Alltag und auf Augenhöhe entstehen, können solche Themen überhaupt erst zur Sprache kommen. Die Stadtteilflüsterinnen können dann weitervermitteln und den Zugang zu passenden Unterstützungsangeboten erleichtern.

Ihre Arbeit endet aber nicht bei der Vermittlung. Die Frauen bringen auch die Perspektive der Bewohnerinnen stärker in die Stadtteilarbeit ein. Sie beteiligen sich an Arbeitskreisen und Netzwerken und tragen Erfahrungen und Anliegen aus dem Quartier dorthin, wo über Angebote und Entwicklungen im Stadtteil gesprochen wird.

Bewohnerinnen werden zu Gestalterinnen
Genau darin liegt eine besondere Stärke des Projekts: Die Stadtteilflüsterinnen sind nicht nur Vermittlerinnen zwischen Bewohnerinnen und Einrichtungen. Sie schaffen Sichtbarkeit für die Anliegen der Frauen im Quartier und ermutigen sie, selbst aktiv zu werden.

Aus Gesprächen entstehen so Kontakte, aus Kontakten Beteiligung und aus Beteiligung neue Ideen für den Stadtteil. Die Stadtteilflüsterinnen organisieren und unterstützen eigene Aktivitäten und bringen Bewohnerinnen miteinander und mit bestehenden Angeboten zusammen.

Von Preungesheim in weitere Quartiere und ins Frankfurter Bahnhofsviertel
Inzwischen geht die Idee über Preungesheim hinaus. Seit Januar 2026 wird das Projekt von der Crespo Foundation unterstützt und im Rahmen des Programms „Aktiven Nachbarschaft“ der Stadt Frankfurt über das Jugend- und Sozialamt in weitere Quartiere übertragen. Damit wird aus der ursprünglichen Idee aus Preungesheim ein Ansatz, der auch an anderen Orten funktioniert: Menschen aus dem Quartier werden zu Brückenbauerinnen für ihre Nachbarschaft.

Auch im Frankfurter Bahnhofsviertel ist das Konzept neu angekommen. Dort wurden die Stadtteilflüsterinnen an das Familienzentrum FAMOS, gefördert von der Stiftungsallianz Bahnhofsviertel und der Commerzbank-Stiftung, angebunden.

Für die Stadtteilflüsterinnen geht es zudem noch weiter: Am 17. November 2026 werden die 16 Landessiegerprojekte bei der Preisverleihung in Berlin geehrt.