Das eigene Zuhause ist ein Ort der Sicherheit und Geborgenheit, an dem Menschen sich zurückziehen und neue Kraft schöpfen können. Doch diese Möglichkeit hat nicht jeder Mensch. In der Weißfrauen-Diakoniekirche schildert Nora David vom Fachbereich Diakonie und Seelsorge des Evangelischen Regionalverbands Frankfurt und Offenbach eine bewegende Situation: Während manch einer seinen Wohnungs- oder Haustürschlüssel mal vergisst, verlegt oder gar verliert und ihm keinen besonderen emotionalen Wert zumisst, bedeutet er für Menschen, die Wohnungslosigkeit oft Jahre ohne eigenes Dach auf der Straße gelebt haben ungleich mehr. „Der Schlüssel ist verbunden mit einer Wohnungstür, neben der, der eigene Name steht, und zu einer Tür, die man schließen darf und die Welt draußen ausblenden kann“, sagt David. Hinter der Tür verberge sich ein Raum, den man nach seinen Wünschen gestalten dürfe. Das Projekt Housing First des Evangelischen Regionalverbands Frankfurt und Offenbach arbeitet daran, mehr Menschen diese Möglichkeit eines eigenen Heims zu bieten.
Nora David vom Fachbereich Diakonie und Seelsorge des Evangelischen Regionalverbands Frankfurt und Offenbach stellte heraus, wie wichtig ein eigenes Zuhause für Menschen ist. Foto: Rolf Oeser
Auch die hessische Landesregierung will den Kampf gegen Obdach- und Wohnungslosigkeit sowie die Förderung sozialer Quartiersarbeit im Frankfurter Bahnhofsviertel weiter vorantreiben. Dafür übergab Sozialministerin Heike Hofmann am Freitag (13. Februar) Förderbescheide in Höhe von jeweils 150.000 Euro an zwei Projekte des Evangelischen Regionalverbands Frankfurt und Offenbach.
„Wohnen zuerst“ nun auch für ganze Familien Seit Start des Housing-First-Projekts im Jahr 2021 konnten in Kooperation mit der GWH Immobilien Holding GmbH bereits mehr als 30 Wohnungen an alleinstehende Personen und Mütter mit Kindern vermittelt werden. Für ihr Engagement bei Housing First wurde die GWH im Jahr 2023 mit dem Zukunftspreis der Landesinitiative Großer Frankfurter Bogen gewürdigt.
Um dem wachsenden Bedarf gerecht zu werden und künftig auch wohnungslosen Familien zu helfen, wird das Projekt nun ausgebaut. Künftig können auch Familien mit drei und mehr Mitgliedern aufgenommen werden. Zusätzlich entsteht eine Projektstelle für Wohnraumakquise, angesiedelt beim Evangelischen Verein für Wohnraumhilfe. Ziel ist es, neue Kooperationen mit Vermieterinnen und Vermietern aufzubauen und mehr dauerhaften Wohnraum für wohnungslose Menschen zu erschließen.
„Wir wollen genau da ansetzen, wo es wichtig ist: Erst einmal ein Dach über dem Kopf zu haben und dann mit Sozialarbeitern, das Wohnungsverhältnis begleiten“, sagte Sozialministerin Hofmann. „Housing First“ folgt genau diesem Grundsatz „Wohnen zuerst“: Betroffene erhalten unmittelbar eigenen Wohnraum mit regulärem Mietvertrag und werden anschließend bedarfsgerecht sozialpädagogisch begleitet. Denn ohne Wohnung und Anschrift finden Betroffene keine Möglichkeit in ein geregeltes Leben zu finden.
Die Vertreter des Evangelischen Regionalverbands Frankfurt und Offenbach nahmen die Förderbescheide in der Weißfrauen-Diakoniekirche entgegen. Foto: Rolf Oeser
Dazu ergänzte der Theologische Geschäftsführer des Evangelischen Regionalverbands Frankfurt und Offenbach, Diakoniepfarrer Markus Eisele: „Es gibt viele Gründe, warum Menschen in Wohnungslosigkeit geraten. Als Gesellschaft haben wir es bislang nicht geschafft, das Recht auf Wohnung einzulösen“. Umso wichtiger sei es, „dass wir das Ziel im Blick behalten und den begonnenen Weg fortsetzen. Die Leiterin des Frankfurter Sozialamts, Nanine Delmas unterstrich, wie wichtig die Unterstützung von Familien und Kindern im Bahnhofsviertel ist. „Hier leben nicht nur vulnerable Gruppen, sondern auch Menschen mit anderen Bedarfen.“
Mit der Einrichtung einer neuen Projektstelle für Wohnraumakquise beim Evangelischen Verein für Wohnraumhilfe e.V. sollen zudem neue Verbindungen zwischen Menschen ohne Wohnung, Übergangsunterkünften und dem eigenen Zuhause geschaffen werden. Dabei bringt der Verein seine langjährige Erfahrung in der Wohnraumvermittlung sowie als Träger vieler Übergangsunterkünfte ein, sodass mehr Menschen eine Chance auf ein dauerhaftes eigenes Heim haben.
Hilfe an einem kritischen Punkt im Leben Zudem wird auch das Projekt „Innovatives Schnittstellenmanagement“ gefördert. Insbesondere Menschen, die aus stationären Einrichtungen, wie Justizvollzugsanstalten, Frauenhäusern oder der Jugendhilfe kommen, seien besonders von Wohnungslosigkeit gefährdet, betonte Heike Hofmann bei der Übergabe der Bescheide in der Weißfrauen-Diakoniekirche. Genau an diesen kritischen Übergängen für betroffene Menschen setzt das „Schnittstellenmanagement“ an.
Ziel des Projektes ist es, Wohnungslosigkeit frühzeitig zu verhindern, indem Sozialarbeitende die Menschen kontinuierlich begleiten und die Zusammenarbeit zwischen Justiz, Sozialbehörden und Wohnungsnotfallhilfe koordinieren. Pilotstandort ist das Frankfurter Bahnhofsviertel, wo das Projekt eng mit dem WESER5 Diakoniezentrum verknüpft wird.
Für viele betroffene Menschen kann mit diesen Wohnhilfeprojekten etwas Entscheidendes entstehen: der Weg zurück in ein selbstbestimmtes Leben.
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