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Leckere Empanadas übergab die argentinische Generalkonsulin Miriam Chaves (dritte von li) an die Leiterin des Zentrums für Frauen Inga Störkel (li) sowie Mitarbeiterinnen und Besucherinnen.

Empanadas im Garten des Zentrums für Frauen

Argentinisches Generalkonsulat spendet zum Nationalfeiertag Essen für Frauen in schwierigen Lebenslagen
Argentinische Musik klingt vom Band, Frauen sitzen an weißgedeckten Tischen und lauschen im Garten des Zentrums für Frauen Miriam Chaves, der argentinischen Generalkonsulin in Frankfurt am Main. Chaves ist persönlich gekommen, um den Frauen zum Nationalfeiertag Argentiniens am 25. Mai Empanadas für 100 Personen zu bringen. Auch diejenigen, die vor mehr als 100 Jahren für die Unabhängigkeit Argentiniens in Buenos Aires demonstrierten, wurden damals mit Empanadas, gefüllten Teigtaschen, versorgt, erklärt Miriam Chaves. Die Einrichtung für Frauen des Diakonischen Werkes für Frankfurt und Offenbach unterstützt das Generalkonsulat auch deshalb, „weil die argentinische Regierung eine sehr entschiedene Gender-Politik in allen Ebenen der Gesellschaft vorantreibt“, sagt Generalkonsulin Miriam Chaves.

Hier kann ich über Probleme reden, das tut mir gut
An einem der Tische im Garten des Zentrums für Frauen lässt sich eine Besucherin des 17Ost-Tagestreffs für Frauen die gefüllten Teigtaschen schmecken. Krautsalat und eine selbstgemachte Kräutersauce gibt es dazu und Zitronenwasser mit frischer Melisse. „Es schmeckt lecker und ist eine Abwechslung“, sagt die 68-Jährige. Zwei bis drei Mal in der Woche kommt sie in den 17Ost-Tagestreff im Erdgeschoss des Zentrums für Frauen. „Ab und zu koche ich hier“, erzählt sie. In ihrer eigenen Wohnung hält sich die Frau, die früher Mathematik unterrichtete, nicht gerne auf: „Da kann man nicht so gut wohnen, tagsüber bin ich meist unterwegs.“ Im 17 Ost-Tagestreff kann sie um Rat fragen, wenn sie „Papierkram“ erledigen muss, „und auch über Probleme kann ich gut reden, das tut mir gut.“ Einst hat sie ihre Eltern gepflegt, heute engagiert sie sich ehrenamtlich für Menschen mit Behinderung.

Das Kleingedruckte lesen zu können ist wichtig
Drinnen im Computer-Raum des Tagestreffs schaut eine 62 Jahre alte Frau nach eingegangenen E-Mails. Heute plant sie, sich in der Küche des Tagestreffs 17-Ost eine Pizza aufzubacken. Seit Februar 2021 hat sie wieder ein Zuhause, eine anderthalb Zimmer Wohnung in Frankfurt. Aber sie hat dort weder einen Herd noch einen Backofen, „mir fehlen die Finanzen, die Wohnung einzurichten, ich lebe von 310 Euro im Monat“, sagt sie. Und zählt auf: „Davon zahle ich Strom, meine Monatskarte, Lebensmittel, Schuhe, Vitamin D3 und vieles mehr.“ Das Jobcenter habe ihr seit drei Jahren die Bezüge um 20 Prozent gekürzt: „Ich warte dringend auf die Einführung des Bürgergeldes.“ Um sich eine Weitsichtbrille anschaffen zu können, müsste sie ihren Schmuck veräußern: „Es war nicht mehr aufschiebbar und mir war es wichtiger, das Kleingedruckte lesen zu können, als mich zu schmücken.“ Zwei bis drei Mal in der Woche kommt sie ins Zentrum für Frauen, zum Kochen und E-Mails lesen, so wie heute.

Zum ersten Mal in meinem Leben hatte ich Angst um mich
Nach der Trennung von ihrem Mann, erzählt die 62-Jährige, sei sie „vom Paradies in die Hölle geraten und zwar unverzüglich.“ Schlechte Erfahrungen machte sie in einer großen Unterkunft für Obdachlose im Frankfurter Osten: „Dort hatte ich Angst um mich, zum ersten Mal in meinem Leben.“ Auch von anderen Wohnheimen in Frankfurt sagt sie: „Es ist unmenschlich, dort zu leben.“ Zwei Monate hat sie in Glashütten auf einem Hochsitz im Wald geschlafen: „Da war es schön. Da war ich in Sicherheit und es gab keine Gewalt von Männern.“ Nach der Heirat blieb die gelernte Reiseverkehrskauffrau zuhause, jetzt, da sie geschieden ist, „wartet die Altersarmut auf mich.“