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Die Kinder spielen mit ihren gebastelten Tieren auf einem Tablet in der Kita Riedberg.

Medienbildung zum Anfassen in der Kita Riedberg

Zwischen Basteltisch, Bauklötzen und Bücherregal grasen plötzlich Schafe auf einer digitalen Wiese auf einem Tablet. In der Evangelische Kita Riedberg in Frankfurt am Main verschmelzen analoge und digitale Spielwelten ganz selbstverständlich im Kita-Alltag. Dort hat das Team um Einrichtungsleiterin Annette Buchmann das Projekt WebbyVersum erprobt.

Die Idee: Digitale Medien, die mittlerweile schon bei Kleinkindern unhinterfragter Bestandteil des alltäglichen Lebens sind, nicht als Ersatz, sondern als Ergänzung zum klassischen Spielen begreifen. Und das funktioniert erstaunlich gut. So basteln die Kinder aus Pappe, Wolle und Papier ihre eigenen Bauernhoftiere, wie Schafe, Kühe, Esel oder Schweine. Anschließend fotografieren sie ihre Kunstwerke mit dem Tablet und laden sie auf eine digitale Wiese hoch. Dort erwachen die Tiere zum Leben: Die Kinder können sie füttern oder ihnen sogar per Sprachaufnahme eine eigene Stimme geben.

Hinter dem Projekt steht die Techniker Krankenkasse. Gemeinsam mit der Universität Greifswald und dem medienpädagogischen Verein Blickwechsel e.V. hat sie das Programm WebbyVersum entwickelt. Dafür erhalten teilnehmende Kitas praxisnahe Materialien, etwa eine kreative Bastel-App, ein Kinderbuch, Reflexionskarten sowie begleitende Angebote für Eltern. Nach einer Pilotphase in mehreren Bundesländern wird das Projekt nun bundesweit ausgeweitet.

Tablets sind im Alltag integriert
„Für uns ist das ‚WebbyVersum‘ eine echte Bereicherung. Die Materialien fügen sich problemlos in unsere Abläufe ein und die Kinder sind mit großer Neugier dabei“, sagt Kita-Leiterin Buchmann. Wichtig sei dem Team vor allem, dass digitale und analoge Angebote zusammen gedacht werden: „Wir basteln, malen und bewegen uns genauso wie bisher und setzen digitale Tools ganz gezielt als zusätzlichen Lern- und Erlebnisraum ein.“

Im Alltag der Kita werden Tablets daher ganz selbstverständlich eingesetzt: „Der Umgang mit den Tablets fließt bei uns in den Alltag ein wie jedes andere Spiel oder Spielzeug auch. Es wird einfach zwischendurch geholt und damit agiert“, erklärt Buchmann. Manchmal passiert das täglich, zeitweise auch nur einmal in der Woche. Mehr als zehn Tablets stehen dafür zur Verfügung.

Dass die Kinder aber durchaus zwischen digitalem und echtem Spiel unterscheiden können, zeigt eine kleine Umfrage im Kita-Alltag: Als die Erzieherinnen spielerisch fragten, mit wem sie lieber in der Kita spielen, mit dem Tablet oder mit ihren Freunden, fiel die Antwort eindeutig aus: Die Freunde gewinnen, erzählt Buchmann.

Sozialministerin macht sich Bild vor Ort
Auch Carsten Baumann, Geschäftsführer des Fachbereichs Evangelische Tageseinrichtungen für Kinder im Evangelischen Regionalverband Frankfurt und Offenbach sieht in solchen Ansätzen einen wichtigen Baustein moderner Bildungsarbeit:

„In den Evangelischen Tageseinrichtungen für Kinder fördert Medienpädagogik die frühe Medienkompetenz, indem sie Kindern einen Überblick verschafft sowie Reflexion und kreative Zugänge in einer verlässlich begleiteten Bildungsumgebung eröffnet“, sagt er. WebbyVersum unterstütze Kitas dabei, Medienpädagogik kindgerecht, strukturiert und ohne großen Zusatzaufwand in den Alltag zu integrieren.

 

Kita-Leiterin Annette Buchmann, Sozialministerin Heike Hofmann und Carsten Baumann, Geschäftsführer des Fachbereichs Evangelische Tageseinrichtungen für Kinder im Evangelischen Regionalverband Frankfurt und Offenbach, in der Kita Riedberg.

Kita-Leiterin Annette Buchmann, Sozialministerin Heike Hofmann und Carsten Baumann, Geschäftsführer des Fachbereichs Evangelische Tageseinrichtungen für Kinder im Evangelischen Regionalverband Frankfurt und Offenbach, in der Kita Riedberg. Foto: Lukas Fortkord

Dass frühe Medienbildung heute wichtiger denn je ist, betont auch Hessens Sozialministerin Heike Hofmann in der Kita Riedberg.

„Digitale Medien gehören oft bereits sehr früh zum Alltag von Kindern. Medienbildung beginnt deshalb nicht erst in der Schule, sondern in der Familie und in der Kindertagesbetreuung. Kinder brauchen frühzeitig Orientierung und Begleitung im Umgang mit digitalen Medien.“

Tablets, Bastelmaterialien und Bücher stehen in der Kita Riedberg nicht in Konkurrenz, sondern ergänzen sich. Kinder probieren aus, stellen Fragen und entdecken gemeinsam, was digitale Medien können. Oder, wie Kita-Leiterin Annette Buchmann es beschreibt: „Digitale Medien sind einfach ein weiteres Werkzeug im Alltag. Eines, das Kindern hilft, ihre Welt neugierig und kreativ zu erkunden“.